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Gedenken

Wir sagen: Kein Vergessen – In Gedenken an Theodoros Boulgarides

Am 15. Juni 2005 wurde Theodoros Boulgarides durch die Rechtsterrorist*innen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) ermordet. Die Täter*innen betraten sein Geschäft in der Trappentreustraße im Münchener Westend und töteten den Familienvater mit drei Kopfschüssen. Jahrelang konnte der NSU in Deutschland aus purer Menschenverachtung morden ohne, dass die Behörden ihn daran gehindert hätten. Zehn Menschen verloren deshalb ihr Leben, dutzende mehr wurden bei drei Bombenanschlägen und fünfzehn Banküberfällen verletzt.

Sicherzustellen, dass Rechtsterroristen nie wieder derart ungestört agieren können, ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Das Verhalten der Behörden in Bezug auf den NSU hat eindrücklich gezeigt, dass hierfür eine wache, kritische Zivilgesellschaft unbedingt erforderlich ist. Nach dem Mord an Theodoros Boulgarides ermittelten die Behörden wegen des Verdachtes auf angebliche Verbindungen der Betroffenen ins kriminelle Milieu. Die Ermittelnden befragten immer wieder das Umfeld der Familie, die dadurch auch in Zusammenhang mit Prostitution, Waffenhandel und anderen kriminellen Aktivitäten gebracht wurde. Bezüglich eines möglichen rechten Hintergrundes der Tat ermittelten die Behörden nicht. Erst die Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 zeigte, dass Theodoros Boulgarides von Neonazis umgebracht worden war.

An den Jahrestagen der NSU-Morde muss die Erinnerung an die Ermordeten lebendig gehalten werden. Unsere Gedanken sind heute bei allen Angehörigen von Theodoros Boulgarides, wir wünschen ihnen weiterhin viel Kraft für den Umgang mit dem schweren Verlust.

Damit sich eine solche rechte Mordserie nicht wiederholt, sollten die Jahrestage auch der Mahnung vor den Folgen von Ressentiments und rechten Ideologien dienen. Vor dem Landgericht München nähert sich zurzeit der „NSU-Prozess“ seinem Ende, doch die gesellschaftliche Herausforderung, Rassismus, Ausgrenzung und rechter Gewalt konsequent entgegenzutreten, besteht jeden Tag aufs Neue. Viele Fragen der Betroffenen sind bis heute nicht beantwortet – unter die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex kann noch lange kein Schlussstrich gezogen werden.

München, 15.06.2018

 

Robert Höckmayr zum Oktoberfestattentat und seinen Folgen

 

Im Rahmen der Gedenkfeier für die Betroffenen des Attentates auf das Oktoberfest im Jahr 1980 hielt am 26. September 2017 erstmals ein direkt betroffener Überlebender selbst eine Ansprache: Robert Höckmayr, geborener Platzer, schilderte am Mahnmal, das heute den Anschlagsort am Wiesn-Haupteingang markiert, die Folgen der Gewalttat und äußerte sich zum Umgang mit den Betroffenen.

Eingeladen zu der Gedenkfeier hatte die Münchner DGB-Jugend. Zu den mehr als hundert Gästen gehörten neben Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter auch mehrere Abgeordnete des Bayerischen Landtags und des Münchner Stadtrats sowie zahlreiche Hinterbliebene und Helfer*innen und Angehörige der damals Verletzten oder Getöteten. Die Rede von Robert Höckmayr gibt der Öffentlichkeit einen Einblick in die Perspektive eines Betroffenen als einen wichtigen Beitrag für die gesellschaftlichen Debatten über den Umgang mit Überlebenden sowie ein angemessenes Gedenken.

Der Text der Ansprache kann hier heruntergeladen werden.